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Entstehungsgeschichte des Bridge

Bridge ist von den großen Strategiespielen wie Schach oder Go das jüngste. Es wird nach seinen heutigen Regeln erst seit 1925 gespielt. Erstaunlich ist, wie stark es sich seitdem verbreitet hat. Bereits jetzt spielen über 50 Millionen Menschen weltweit Bridge. Die Wurzeln von Bridge reichen jedoch weit zurück.

Eines der bekanntesten bridge-ähnlichen Spiele ist das englische Whist, das oft als Vorgänger von Bridge genannt wird. Aber bereits 1 529 wurden von Bischof Latimer Kartenspiele erwähnt, die Elemente des modernen Bridge enthalten. Unter den Namen Triumph, Trump, Slamm, Whisk und Whist verbreiteten sich im 16. und 17. Jahrhundert Kartenspiele, bei denen es galt, Stiche zu erzielen.

Whist wurde Mitte des 17. Jahrhunderts sehr populär: das erste Whist-Buch erschien 1728. Gespielt wurde ohne Dummy, Trumpf wurde durch Umdrehen einer Karte bestimmt. Die Regeln wurden ständig überarbeitet und verbessert, so dass Mitte des 19. Jahrhunderts wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst werden konnten. 1857 wurde das erste Duplicate-Whist Turnier in London ausgetragen: 2 Mannschaften spielten gegeneinander unter Elimination des Glücksfaktors, da sie die gleichen Verteilungen spielten.

Das Duplicate-Konzept wurde in den USA schneller populär als in England. Es stellt ein ganz wesentliches Element im Turnierbridge dar.

Ende des 19. Jahrhunderts sprießen Whist Clubs wie Pilze aus dem Boden und 1891 wurde die American Whist League gegründet, aus der später die Amerikanische Bridge Liga hervorgehen sollte. Mitchell schrieb das erste Buch über Turnier- Organisation, das Mitchell Movement gilt heute noch als der gerechteste Durchführungsmodus für große Bridge Turniere.

Ungefähr 1873 entsteht in England und Amerika Whistbridge, das wie das moderne Bridge von vier Personen mit einander gegenüber sitzenden Paaren gespielt wird. Parallel dazu breitet sich vom Mittleren Orient her ein analoges Spiel russischen Ursprungs aus, Biritch genannt, was im russischen soviel wie Reizung oder Versteigerung bedeutet. In England erhielt Biritch 1886 den Namen Russisches Whist.

Neuerungen waren das Offenlegen des Dummys und die Einführung von Kontra und Rekontra ohne Beschränkung. Im weiteren Verlauf wurden bridgeähnliche Spiele in vielen Varianten und mit immer wieder veränderten Regeln ausprobiert, bis 1925 Harold 5. Vanderbilt verschiedene Ideen und Ansätze kombiniert und durch Einführung einer Gefahrenlage und Verbesserung des Anschriftensystems die Regeln des modernen Bridge festschrieb. Dies war die Geburtsstunde des Contract Bridge. Diese Regeln blieben bis zum heutigen Tage mit einer kleinen Ausnahme unverändert.

1926 erschien in England das erste Bridge Magazin.

1928 wurde die erste nationale Meisterschaft in den USA ausgespielt: der Vanderbilt Cup. 1929 gibt Culbertson das erste amerikanische Bridge Magazin heraus. Sein "blue book" über die Reizung, bei dem er zwischen limitierten und forcierenden Geboten unterscheidet, wird 1930 zum Bestseller.

1932 wird die Internationale Bridge Liga als Vorläufer des Welt- Bridge-Verbandes gegründet.

Ely Culbertson wird zum Promotor für Bridge. Er organisiert die 1. Bridge Olympiade, an der 200.000 Spieler aus 65 Ländern teilnahmen.

1935 kommt es zu dem legendären Culbertson-Sims Match, mit dem Culbertson seine eigene und die Popularität von Bridge überhaupt weiter steigert. Alle großen Zeitungen berichteten davon. Als im selben Jahr die erste Weltmeisterschaft im Bridge von den USA vor Frankreich gewonnen wird, setzt ein wahrer Bridge-Boom ein.

1940 wird durch die auf Punkten basierende Blattbewertung nach Milton Works Bridge wesentlich leichter erlernbar.

1958 konstituiert sich der Welt-Bridge-Verband (WBF)

Heute sind Frankreich und die Niederlande die beiden größten europäischen Verbände. Aber auch Italien, die skandinavischen Länder und insbesondere Polen haben viele internationale Titel errungen. In Asien gibt es inzwischen mit Indonesien und China Bridge-Großmächte, die in die Phalanx der Amerikaner und Europäer eindringen konnten. 1955 erhielt Bridge die Anerkennung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), doch bereits 1993 schafften die Italiener, als erster europäischer Verband, die Aufnahme in ihr nationales olympisches Komitee.

© Sigrid Battmer /Ralf Teichmann